Thromboseprophylaxe
Definition:
Die Thrombose ist eine Erkrankung der Gefäße, in deren Verlauf ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verschlossen wird. Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen von Thrombosen betroffen. Lebensgefährliche Komplikationen können auftreten, wenn sich ein Thrombus löst, durch die Blutbahn in die Lunge, das Hirn oder das Herz wandert und sich dort erneut festsetzt.
Ein Thrombus...
- ...verhindert eine ausreichende Durchblutung des Gewebes, das hinter der Verschlussstelle liegt.
- ..., der in der Lunge ein Gefäß verschließt, kann eine Lungenembolie auslösen.
- ... im Gehirn kann einen Schlaganfall bewirken, während ein Blutgerinnsel in den Herzkranzgefäßen zu einem Herzinfarkt führen kann.
Die wichtigsten Risikofaktoren für Thrombosen sind:
- Bewusstlosigkeit / Koma
- Seitenlähmung
- Ruhigstellung
- Bewegungsmangel
- Flüssigkeitsmangel
- Übergewicht
- Verletzung der Gefäßinnenhaut (Endothel)
- erhöhte Blutgerinnung
- Geschlecht (Frauen sind gefährdeter als Männer)
- Vorerkrankungen der Venen
- Operationen im Bereich des Beckens, Hüftoperationen, Operationen am Oberschenkel
- Einnahme von bestimmten Medikamenten, z.B. Zytostatika, Cortison
- zurückliegende Krebserkrankungen
- zurückliegende Schwangerschaften
- Nikotinabusus
Rudolf Virchow definierte drei wesentliche Ursachen für die Entstehung von Thrombosen (Virchow-Trias).
- Verlangsamung des Blutflusses
- Veränderung der Gefäßinnenwände
- Erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes
Symptome der tiefen Venenthrombose ("Phlebothrombose")
- Schwellung des Unterschenkels
- Spannung , Schweregefühl im Unterschenkel
- Farbveränderungen des Unterschenkels zyanotisch, blässlich, auch Rötung
- Überwärmung
- Schmerz in der Kniekehle, unter dem Fuß, im Verlauf der Vene, Leiste, bei Anspannung der Wadenmuskulatur.
Grundsätze:
Durch eine professionelle Prophylaxe lässt sich das Risiko einer Thrombose drastisch senken.
Allerdings können Komplikationen trotz bester Pflege niemals vollends vermieden werden.
Wir arbeiten eng mit den Haus- bzw. Fachärzten sowie Physiotherapeuten zusammen.
Aufgrund der besonderen Krankheitsbilder unserer Kunden umfassen unsere Maßnahmen in erster Linie:
- Eine umfangreiche, individuelle Mobilisation
- Die Intensität der Übungen richtet sich stets nach den Möglichkeiten des Kunden.
- Den Einsatz von gerinnungshemmenden Medikamenten nach AAO
Cave: ATS oder das Wickeln der Beine bzw. anderweitige Kompression der Extremitäten führen wir nicht durch. Bei unseren Kunden überwiegen die Nachteile einer solcher Behandlung. Die AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaft) weißt auf eine Kontraindikation von ATS bei Sensibilitätsstörungen der Extremitäten hin.
Laut einer neuen Studie aus Edinburgh wurde festgestellt, dass Kompressionsstrümpfe bei Schlaganfallpatienten, im Gegensatz zu chirurgischen Patienten, keinen Vorteil erzielen. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt hierzu: "Die Rate der sonografisch diagnostizierten DVT – der primäre Endpunkt der Studie – war in beiden Gruppen gleich: 10,0 Prozent mit und 10,5 Prozent ohne Kompressionsstrümpfe".
Ausnahmslos alle Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe werden sorgfältig dokumentiert.
Durchführung:
Medikamentengabe nach AAO
Hochlagerung der Beine und Ausstreichen der Venen:
Das Hochlagern der Beine ist als wirksame Thromboseprophylaxe anerkannt. Die Durchführung:
- Der Kunde liegt bequem auf dem Rücken.
- Soweit es das Pflegebett zulässt, wird das Fußende um 30° nach oben gestellt. Alternativ werden Kissen bis zu einer entsprechenden Höhe aufgeschichtet. Es ist darauf zu achten, dass durch die Lagerung keine Gefäße verstellt werden, etwa im Becken oder in den Knien. Ein Durch- oder Überstrecken der Knie ist zu unterlassen.
- Mit Hilfe einer Pflegelotion werden nun die Beinvenen ausgestrichen. Zunächst werden die Oberschenkelvenen langsam in Richtung Oberkörper ausgestrichen. Danach streicht die Pflegekraft die Unterschenkelvenen in die gleiche Richtung aus.
Das Ausstreichen der Venen ist zu unterlassen bei:
- Fersendekubitus
- ausgeprägter arterieller Verschlusskrankheit
- dekompensierte Herzinsuffizienz
- massive Beinödeme
- Venenentzündung
- Schmerzen
Mobilisation gilt als beste Prävention gegen Gefäßverschlüsse. Die Durchführung:
- Zur Mobilisation werden rutschfeste Schuhe angezogen
- Der Kunde wird endsprechend seinen Möglichkeiten aufgesetzt z.B. an den Bettrand oder in einen Rollstuhl.
- Die Beine sollen dabei nicht herunterhängen, sondern auf dem Boden, bzw. den Fußrasten aufgestellt werden, so dass kein Druck den Blutfluss in den Kniekehlen behindert.
- Eine Mobilisation ist anstrengend, bitte beachten Sie bei allen Kunden die Vitalwerte und bei Diabetikern den BZ.
- Bei Kunden mit gestörter Vasokonstriktion (Gefäßverengung) muß u.U. vor dem Aufrichten ein Bauchgurt angelegt werden.
- Bei Kunden mit Apoplex achten Sie bitte auf einen evt. Neglect oder Pushing Syndrom.
Die Mobilisation von Kunden mit einem instabielen Bruch der Wirbelsäule oder einer schlaffen Plegie sollte mit besonderer Vorsicht durch zwei Pflegekräfte, bzw. die Mithilfe eines Physiotherapeuten erfolgen.
Weitere Maßnahmen:
- Die Füße und Zehen gefährdeter Kunden werden täglich auf Anzeichen von Thrombosen überprüft.
- Der Kunde erhält genügend Flüssigkeit.
- Ggf. erhält der Kunde kalte Umschläge.
- Ggf. erhält der Kunde antiphlogistische Salben.
- Ggf. werden Venenkatheter und andere venöse Zugänge entfernt.
- Warmes Badewasser erweitert die Blutgefäße und verringert die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes.
Dokumentation:
- Falls Beobachtungen auf eine beginnende Thrombose schließen lassen, ist der Hausarzt zu benachrichtigen.
- Die Thromboseprophylaxe wird im Grundpflegenachweis dokumentiert.
- Fortschritte oder Rückschritte werden mit der Pflegeplanung abgeglichen. Ggf. wird die Pflegeplanung angepasst.




