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Applikation Sondenkost

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Ethische und rechtliche Aspekte:


Die enterale Ernährung eines Menschen ist eine emotional, ethisch und rechtlich komplizierte Angelegenheit. Grundsätzlich gilt, dass die künstliche Ernährung eine medizinische Therapie ist und auf Basis eines medizinisch begründbaren Behandlungszieles erfolgt. Weiterhin ist die Patienteneinwilligung Voraussetzung für das Einleiten einer künstlichen Ernährung. Eine "Zwangsernährung" gegen den Willen des Patienten ist, soweit gesetzlich nicht anders geregelt, (s. §101 Strafvollzugsgesetz) unzulässig. Bei einwilligungsunfähigen Patienten entscheidet der gesetzliche Vertreter.
Insbesondere die Patientenverfügung ist direkter Ausdruck des Patientenwillens und muss, nach endsprechender Prüfung und Interpretation, berücksichtigt werden. Bei der Entscheidungsfindung sollte die Lebensqualität des Kunden stets das maßgebende Kriterium sein. So muss bei schwersten Krankheitszuständen abgewogen werden, ob die Sicherung der Lebensdauer hinter die Sicherung von Lebensqualität zurücktreten muss.

 

Sondenkost:

 

Umgang mit Sondenkost bei einer Flüssigkeitsbilanzierung
Je nach Viskositätsgrad enthalten 100 ml der Sondennahrung zwischen 75ml- 90ml Wasser. Der Wasseranteil variiert je nach Herstellerfirma. Um bei der Flüssigkeitsbilanzierung einen genauen Wert zu erhalten, sind die Hersteller verpflichtet, den Wassergehalt auf der Verpackung zu vermerken. Die exakte Menge der Flüssigkeit wird von jedem Hersteller auf der Verpackung angegeben:

z.B. Hipp® Trink- und Sondennahrung Rind mit Zucchini, wird mit 430ml Flüssigkeit/je 500ml Flasche bilanziert.

Sondenapplikationswege Transnasal


Diese Methode wird z.T. in Krankenhäusern als vorübergehende Methode angewandt. Für die ambulante und stationäre Pflege sind transnasale Sonden jedoch aus verschiedenen Gründen obsolet:
• transnasale Sonden werden von den Trägern in der Regel als störend empfunden und daher oft gezogen;
• transnasale Sonden können Druckgeschwüre in der Nase verursachen und erfordern daher einen höheren Pflegeaufwand;
• bei transnasalen Sonden ist das Risiko eines Refluxes und damit einer Aspiration höher als bei einer PEG.


PEG (Perkutane Endoskopische Gastrostomie)/ PEJ (Perkutane Endoskopische Jejunostomie)


Eine PEG wird durch die Bauchdecke in den Magen, in Ausnahmefällen auch in das Jejunum (PEJ) eingeführt. Vorteile der PEG/PEJ gegenüber einer transnasalen Sonde:
• wird in der Regel gut toleriert;
• vermindertes Reflux-Risiko.


Sondenkostapplikationsarten


Intermittierende Applikation:
Als intermittierende Applikation bezeichnet man die Gabe der Sondenkost in Einzelportionen. Diese Applikationsart wird häufig bei gastraler Lage der Sonde benutzt, damit die Speicherfunktion des Magens aufrechterhalten wird.

Schwerkraft:
Bei dieser Variante wird die Sondennahrung direkt aus der Flasche oder dem Beutel über ein Überleitungssystem verabreicht. Die Fließgeschwindigkeit und somit die Menge wird über eine Rollklemme gesteuert.


Ernährungspumpe:


Die Ernährungspumpe kontrolliert die Zufuhr elektronisch und gibt genaue Mengen, in einer vorgegebenen Zeit, mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit, ab. Bei den meisten Pumpen kann auch eine zeitlich gesteuerte Bolus-Gabe eingestellt werden.

 

 

Verabreichen von Sondenkost


Vorbereitung der Materialien
Für die Verabreichung von Sondenkost wird außer der Flasche bzw. dem Beutel mit der Sondenkost folgendes benötigt:
• Zellstoff und Mundpflegeset
• H²O zum Nachspülen
• Sondenkostbeutel mit Einfüllstutzen
• Sondenkost nach Arztanordnung
• spezielles Überleitungssystem für Ernährungssonde bzw. PEG – Sonde
• Infusionsständer
• Materialien zur Überprüfung der richtigen Sondenlage (20 ml Spritze, Stethoskop)
• evtl. Flaschenöffner für Nährlösungen in Flaschen mit Kronkorken
• Wanne für ein Wasserbad (zur Erwärmung der Sondenkost)
• handwarmes Wasser
• ggf. zur Kontrolle des Mageninhaltes: 100 ml Spritze und Gefäß

Vorbereitung des Patienten
• Patienten ausreichend informieren
• Oberkörper um 30 ° erhöht positionieren (Reflux- und Aspirationsprophylaxe)
• somnolente Patienten zur Aspirationsprophylaxe in die Seitenlage bringen

Durchführung
1. Hände waschen und desinfizieren
2. Mundpflege zur Anregung der Speichel- und Magensaftbildung, um die Verdauung zu fördern
3. Sondenkost kurz schütteln und je nach Arztanordnung erwärmen (nicht über 40°C), auf Ausflockungen und das Verfallsdatum achten!
4. Bei einer PEG durch leichtes Ziehen/Bewegen korrekte Lage sicherstellen.

Jejunalsonden aufgrund der fehlenden Halteplatte nicht bewegen!


5. Transnasale Sonde: durch Aspiration von Magensaft (bis 100 ml kann Magensaft zurückgegeben werden, bei mehr als 100 ml Magensaft muss eine Applikationspause von 1 – 2 Stunden eingehalten werden!). Nach der Aspiration: Spülen der Sonde mit 10 – 20 ml Wasser, ansonsten besteht die Gefahr der Verstopfung der Sonde.
6. Oberkörperhochlagerung (30°) (bei bewusstlosen Patienten eine Seitenlagerung verwenden). Besonders auf den Kopf achten (aufgrund der Aspirationsgefahr)
7. Überleitungssysteme befüllen (Zufluss durch Klemme verschließen)
8. Verschluss der Sonde öffnen
9. Anschluss der Überleitungssysteme an die Sonde
10. Zufluss durch Öffnen der Klemme starten und Fließgeschwindigkeit einstellen (bei Schwerkraftapplikation durch das Stellrad und bei Pumpenapplikation durch Programmierung der Pumpe)
11. Nach Applikation der Sondenkost mit ca. 50 ml H²O die Sonde spülen.
12. Sonde verschließen
Nachbereitung
• Patient mindestens 30 Minuten in der Oberkörperhochlagerung belassen (ansonsten Aspirationsgefahr)
• danach Positionierung bei Dekubitusgefährdeten Patienten
Sondenkostmenge und Zufuhrgeschwindigkeit dokumentieren, Komplikationen vermerken und an den Arzt weiterleiten, Materialien fachgerecht entsorgen

Bei der Applikation über PEG mit Ernährungspumpe, wird die Sondennahrung mit 140ml/h eingeleitet, um die Verträglichkeit für den Kunden sicher zu stellen und Durchfälle zu vermeiden.

Hygienemaßnahmen
Umgang mit der Nährlösung
Sondennahrung bietet für Keime jeder Art einen idealen Nährboden, deshalb ist im Umgang damit aus hygienischer Sicht einiges zu beachten:
• Im Allgemeinen ist auf das Haltbarkeitsdatum zu achten. (Auch Ausflockungen können auf einen Verfall hinweisen) – Aufdruck beachten!
• Vor dem Umgang mit der Nahrung sind die Hände zu waschen und zu desinfizieren – Die Hände sind oft Übertragungswege für Keime! Die Anzahl der möglichen Keime auf der Haut wird durch diese Maßnahmen minimiert.
• Angebrochene Flaschen werden im Kühlschrank max. 24 h aufbewahrt, die Sondennahrung sollte bei Verabreichung nie in der prallen Sonne hängen und nur über eine Dauer von max. 6-8 Stunden verabreicht werden! – Wärme begünstigt die Keimvermehrung und auch Zeit ist ein Faktor für Kontamination!
• Bei Zubereitung pulverförmiger Nahrung ist abgekochtes Wasser zu verwenden (Reste dieser Lösung dürfen nicht aufbewahrt werden!) - Kontamination über Wasser wird vermieden, Umgang mit Hilfsmitteln
Auch hinsichtlich der benutzen Materialien sind Hygienemaßnahmen einzuhalten:
• Während der Pausen zwischen den Applikationen von Sondenkost ist die Sonde mit dem Verschlussstopfen zu verschließen
*Einmalbehälter (oder Fertignahrung) sind zu bevorzugen. Nachfüllbeutel müssen vor jeder Befüllung gespült werden.
• Eine direkte Berührung der Anschlussstelle mit kontaminierten Material bzw. den Händen vermeiden
• Wechsel aller Überleitsysteme nach max. 24 Stunden
• Bei Spritzenapplikation muss auch diese sauber und trocken sein. Hygienerichtlininen beachten.
• Nach jeder Applikation wird die Sonde durchgespült (mit 30 ml Wasser)

*Um unsere Umwelt zu schonen und den Müll der Kunden zu minimieren, sollte Sondennahrung in Glasflaschen verwendet werden (siehe QH-Hygiene, Kap.7 Entsorgung).