Intermittierende Katheterisierung / BDK bei Männern
Definition:
Viele Krankheiten der Nieren und der ableitenden Organe erfordern eine zeitweilige oder dauerhafte künstliche Ableitung des Harns nach außen. Die transurethrale Harnableitung mittels Katheter zählt zu den ärztlichen Tätigkeiten, die nur unter fest definierten Voraussetzungen an Pflegekräfte delegiert werden dürfen. Es gibt verschiedene Arten von Katheterisierungen:
- Die Einmalkatheterisierung setzen wir ein, um die Harnblase bei akutem Harnverhalt zu entleeren oder den Restharn zu bestimmen.
- Die Dauerkatheterisierung erlaubt eine Entleerung der Blase für einen längeren Zeitraum.
- Unter einer intermittierenden Katheterisierung versteht man eine regelmäßige Blasenentleerung (3 bis 5 Mal pro Tag), die häufig vom Betroffenen selbst durchgeführt wird.
Die Indikation für eine transurethrale Katheterisierung besteht bei:
- Harnverhalten, also der Unfähigkeit, die gefüllte Harnblase spontan zu entleeren. Betroffen sind etwa Patienten mit Multipler Sklerose.
- chronischer Restharn, also eine Blasenentleerungsstörung, die dazu führt, dass nach Miktion in der Harnblase eine relevante Urinmenge zurückbleibt.
- Blaseninstillation, also das therapeutische Einleiten von Flüssigkeit in die Harnblase
- Anurie, also eine Harnausscheidung unter 100ml pro Tag
- Kontrolle des Urins, etwa mittels bakteriologischer Untersuchung
- Kontraindikation für eine suprapubische Blasenpunktion, etwa aufgrund von Blutgerinnungsstörungen oder mutwilligem Entfernen der Blasenfistel.
Keine Indikation besteht bei:
- Inkontinenz, da diese mit alternativen Methoden angemessen versorgt werden kann.
- Behandlung eines Dekubitus. Moderne Verbandsmaterialien sind wasserdicht. Zudem wird durch eine Katheterisierung eine Blaseninfektion wahrscheinlicher. Harnwegsinfekte behindern die Wundheilung.
Grundsätze:
- Die Maßnahme wird nur dann durchgeführt, wenn der Kunde oder ggf. der Betreuer zustimmt.
- Die Maßnahme wird nicht durchgeführt, wenn die Gefahr besteht, dass demente Kunden den Blasenverweilkatheter mutwillig entfernen.
- Ein Blasenkatheter darf nur auf ärztliche Anweisung gelegt oder entfernt werden.
- Ein Blasenverweilkatheter bringt ein hohes Infektionsrisiko mit sich und ist ein gravierender Eingriff in die Intimsphäre. Es ist daher stets das letzte Mittel. Wir werden immer versuchen, eine Alternative zu finden.
- Ein Blasenverweilkatheter sollte nur so kurz wie möglich verwendet werden.
- Wir verwenden ausschließlich ein geschlossenes Urinableitungssystem nach ISO/DIS8669-2.
Ziele:
- Die Würde des Kunden bleibt gewahrt.
- Die Lebensqualität des Kunden wird verbessert.
- Die Schmerzbelastung wird auf ein Minimum reduziert.
- Ein freier Harnabfluss wird gewährleistet.
- Die Harnausscheidung wird überwacht, Krankheiten schnell und sicher erkannt.
- Gewinnung kontaminationsfreier Urinproben.
- Durch konsequente Umsetzung hygienischer Standards wird eine Verschleppung pathogener Keime von der Harnröhrenmündung in die Blase und somit eine Infektion der Blase und der Niere verhindert.
- Eine Verletzung oder eine Entzündung der Harnröhrenschleimhaut wird vermieden
Vorbereitung:
ärztliche Anordnung:
Wir stellen sicher, dass für die Katheterisierung eine ärztliche Anordnung vorliegt. Diese umfasst:
- Art des Katheters (Form, Länge, ggf. mit Ballon usw.)
- Kathetergröße in CH (Charrière)
- Material des Katheters (PVC, Latex, Silikon, Hydrogel- oder Silberbeschichtung)
- Liegedauer des Katheters
Wir verwenden fertige Katheter-Sets zB. *Einmal-Set B. BRAUN MELSUNGEN AG PZN: 3915272 zum Legen oder Wechseln von Kathetern zur Urinableitung mit Kathetergleitmittel und Schleimhautanaesthetikum.
Material:
1 Entsorgungsbeutel
1 Ablagetuch 400 x 500 mm
1 Unterlegetuch 360 x 500 mm
4 VASCO® Untersuchungshandschuhe mit umgeschlagenen Stulpen DIN EN 4554
Tupfer, pflaumengroß DIN 61630-VM 301
Kompresse 75 x 75 mm DIN 61630-VM 171
Braunol®, 20 ml
1 Spritze gefüllt mit 10 ml sterilem Wasser zum Füllen des Ballons
1 Instillagel®, 6 ml
*Derartige Katheter-Sets sind auch von anderen Firmen erhältlich
- zwei Katheter (Einmal- bzw. Ballonkatheter nach ärztlicher Anweisung mit 12 bis 14 Charr.; einer als Ersatz)
- geschlossenes Harnableitungssystem mit Vorrichtung zum Aufhängen
- Material zur Durchführung einer Intimtoilette
Organisation:
Die Katheterisierung kann von einer Pflegekräft durchgeführt werden.
- Der Kunde wird über die anstehende Maßnahme informiert. Seine Fragen werden umfassend beantwortet. Der Kunde wird um Zustimmung gebeten.
- Die Fenster werden geschlossen und die Raumluft ggf. auf eine angenehme Temperatur geheizt.
- Das Bett wird in eine angenehme Arbeitshöhe gebracht.
- Die Pflegekraft führt eine Intimtoilette durch. Das Material für die Intimtoilette wird entsorgt.
- Katheterlochtuch über Intimbereich legen, Öffnung über Penis (bei Schlitztuch- Schlitz Richtung Bauch)
- Kompresse längs falten, um Penis legen und senkrecht halten
- Die Pflegekräfte führen eine hygienische Händedesinfektion=>Standard Desinfizieren der Hände durch und legen die sterilen Einmalhandschuhe an. Über die Arbeitshand der durchführenden Pflegekraft wird ein zweiter steriler Handschuh gezogen.
- Das Material wird griffbereit in die Nähe gelegt.
- Die Tupfer werden mit der antiseptischen Lösung getränkt.
Durchführung:
Reinigung:
- Tupfer 1, danach Tupfer 2 mit Pinzette nehmen, Harnröhre desinfizieren und um Glans herum
- mit Tupfer 3 nur über Harnröhre ( Einwirkzeit = 30 Sek. )
- Instillagel - halbe Menge auf Katheter u. andere hälfte in Harnröhre instillieren
- Schale u. Katheter auf Lochtuch legen-Katheter langsam in Harnröhre einführen
- bei Durchgang des Katheters durch die Schließmuskeln (Widerstand) in die Blase, Penis waagrecht halten
- wenn Urin läuft, Katheter noch 2 cm schieben, dann Blocken-Kontrolle-zurückziehen bis an Blasenwand
- Drainagesystem am Katheter anschließen
- Urin, wenn erforderlich, abmessen, Kathetermaterial in Abfallsack entsorgen
- Intimwäsche
- Ablage nach Gebrauch desinfizieren mit Papierhandtuch und Alkohol 70%
- Dokumentation von Uhrzeit, Menge, Charriere
Vorgehen bei Einmalkathetern:
- Sobald der Harnfluss einsetzt, wird der Katheter nicht weiter eingeführt.
- Der Urin wird in die Auffangschale abgelassen.
- Falls eine Laboruntersuchung notwendig ist, werden zunächst 500ml abgelassen und dann die Probe entnommen.
- Um die Entleerung zu fördern, kann die Pflegekraft von außen leichten Druck auf die Harnblase ausüben. Zudem kann eine möglicherweise vorhandene Verklebung der Katheteröffnung mit Gleitmittel beseitigt werden.
- Bei Harnverhalt sollte der Urin in Einzelmengen zu je 500ml abgelassen werden. Zwischen den Abflussvorgängen wird eine Pause von 30 Minuten gemacht, während derer der Katheter abgeklemmt wird.
- Der Katheter wird unmittelbar nach Abschluss der Maßnahme vorsichtig herausgezogen und verworfen.
Vorgehen bei Blasenverweilkathetern:
- Der Katheter wird mit dem Ableitungssystem verbunden. Alle Maßnahmen zum Anschließen und Entfernen des Systems müssen aseptisch erfolgen.
- Der Katheter wird eingeführt, bis der Urinfluss beginnt. Danach wird der Katheter weitere zwei Zentimeter eingeführt.
- Mittels Spritze wird das destillierte Wasser in die dafür vorgesehene Katheteröffnung eingespritzt, der Ballon gefüllt und der Katheter geblockt.
- Der Katheter wird ohne Kraftaufwand einige Millimeter zurückgezogen.
- Die Schlauchklemme wird geöffnet.
- Die Handschuhe werden ausgezogen und verworfen.
- Das System wird so am Bett befestigt, dass ein Gefälle zur Blase besteht. Ein Abknicken des Schlauches wird vermieden.
Entfernen des Blasenverweilkatheters:
- Die Abblockflüssigkeit wird mittels einer Spritze abgesaugt und verworfen.
- Die Pflegekraft nimmt Zellstoff in eine Hand und zieht mit der anderen Hand den Katheter vorsichtig heraus.
- Mit Zellstoff umwickelt die Pflegekraft dann die Katheterspitze, stülpt den Handschuh darüber und verwirft das komplette Harnableitungssystem. Ggf. wird dieses zuvor entleert.
- Wenn das Herausziehen ohne Kraftaufwand nicht möglich ist, wird die Maßnahme abgebrochen und der Hausarzt informiert. Wir nehmen keine weiteren Manipulationen vor.
- Die Pflegekraft achtet auch auf Inkrustationen, also Ablagerung etwa von Kalksalzen.
- Intimwäsche und Materialentsorgung.
- Wenn der Kunde innerhalb von 6 bis 8 Stunden nach Entfernung des Katheters nicht eigenständig Wasser lässt, wird der Hausarzt informiert.
Nachbereitung:
Organisation:
- Das benötigte Material wird verworfen.
- Bei dem Kunde wird eine Intimreinigung durchgeführt.
- Er wird bequem gelagert und nach dem Befinden befragt.
- Das Bett wird in die Ausgangsposition gebracht.
- Die Pflegekräfte führen eine hygienische Händedesinfektion=> Standard Desinfizieren der Hände durch.
- Alle Beobachtungen und insbesondere die Urinmenge werden dokumentiert. Ggf. wird der Hausarzt informiert.
- Ggf. wird die Pflegeplanung des Kunden aktualisiert.
- Beobachtung des harnableitenden Systems:
- Wir achten auf krankhafte Veränderungen und rufen ggf. umgehend den Hausarzt.
- Blutungen
- weißlich-gelblicher Ausfluss
- weiße Beläge im Genitalbereich
- übler Harngeruch
- Farbveränderungen des Harns
- Beimengungen im Harn




