Dysphagie

Definition:

Eine Dysphagie ist eine Störung der Aufnahme, der Zerkleinerung und des Transportes von Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel vom Mund in den Magen. Solch eine Schluckstörung kann das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden des Betroffenen und seiner Familie erheblich beeinträchtigen, weil in unserer Gesellschaft Essen und Trinken eine große Rolle spielen. Eine ausgeprägte Dysphagie kann Mangelernährung verursachen. Bei regelmäßigem Verschlucken kann Nahrung in die Lunge gelangen und Lungenentzündung auslösen. Spätestens dann ist eine ärztliche Abklärung dringend erforderlich.

 

Ursache:

Mögliche Ursachen einer Schluckstörung sind:

  • Z.n. Apoplex (Schlaganfall)
  • Operationen im Mund-, Kiefer-, Hals- oder Kehlkopfbereich (z.B. nach Tumorentfernung)
  • neurologische Erkrankungen (z.B. Morbus Parkinson)
  • zunehmendes Alter (z.B. durch nachlassende Kraft in den Muskeln, die zum Schlucken benötigt werden)
  • nach Bestrahlung (z.B. durch Mundtrockenheit)
  • nach Laryngektomie (=Kehlkopfentfernung)
  • nach einer schweren Erkrankung oder einem Unfall mit Langzeitbeatmung
  • Schonhaltungen (z.B. nach Operationen oder nach Schmerzen)

Mögliche Symptome einer Schluckstörung sind:

  • häufiges Verschlucken beim Essen, Trinken oder beim Schlucken von Speichel
  • ein Hängenbleiben von Essensresten im Mund oder im Hals
  • Husten während der Mahlzeit
  • Austritt von Speichel und/oder Nahrung aus dem Mund
  • Würgen während des Schluckakts
  • eine „gurgelnde“ Stimme nach dem Essen/Trinken
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Lungenentzündung und Fieber unklarer Herkunft

Diagnose:

  • Ausmaß der Schluckstörung (Ist eine Behandlung notwendig?)
  • Ursache der Schluckstörung (Wo liegt der Fehler?)
  • Behandlungsplan (Was sollte man tun?)

Grundlage ist eine funktionsbezogene Endoskopie des Rachens. Eine flexible Optik (Schlauch mit Glasfasern) wird durch die Nase eingeführt. Der Patient muss nun – als Kontrastmittel - farbige Substanzen verschiedener Konsistenz schlucken (z.B. Milch, Pudding, Kekse). Die Schluckbewegung und die Spuren der Kontrastmittel werden auf Video aufgezeichnet und ausgewertet. Aus dieser Untersuchung wird ein Behandlungsplan entwickelt. Die Behandlung ist meistens eine Übungsbehandlung und wird von einer Logopädin geleitet.
Es besteht die Möglichkeit eine Videofloruskopie durchzuführen. Dies ist eine Röntgen-Funktionsdiagnostik des Schluckaktes mit Videodokumentation, eine Tandemuntersuchung der Logopädie mit der Radiologischen Praxis. Bei diesem Verfahren ist eine Endoskopie nicht erforderlich, sie ist schonend und effizient.


Behandlung:

Konservative Schlucktherapie:
Die behandelnde Logopädin kümmert sich um die Übungstherapie und die Beratung des Patienten und dessen Angehörigen. Grundsätzlich werden drei Gruppen von Therapieverfahren unterschieden:

  • Kausale Therapieverfahren
  • Kompensierende Therapieverfahren
  • Adaptierende Therapieverfahren

 

Kausale Therapieverfahren 

Das Ziel ist die Wiederherstellung der Funktionen, die zum Schlucken benötigt werden oder der optimale Gebrauch der Restfunktion.

z.B.:
• Funktionelle Übungen, z.B. zur Verbesserung der Kehlkopfhebung oder der Zungenbeweglichkeit
• F.O.T.T. nach Kay Coombes
• PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation: Zusammenspiel von Gesichtsnerven und -Muskulatur bei Fazialisparese)

Kompensatorische Therapieverfahren
Diese Techniken sollen das Schlucken verbessern und ein Verschlucken verhindern.
z.B.:
• Haltungsänderungen, z.B. Kopfhaltungsänderung während des Schluckens
• spezielle Schlucktechniken, z.B. Mendelsohn-Manöver oder supraglottisches Schlucken

Adaptierende Therapieverfahren
Dabei sollen äußere Bedingungen an die Schluckstörung angepasst werden:
z.B.:
• Diätetische Maßnahmen, z.B. hochkalorische Nahrungsergänzung, Kostformanpassung
• Trink- und Esshilfen, z.B. spezielle Becher oder Löffel, Warmhalteteller

Operative Therapie:
Operationen können nur in seltenen Ausnahme-Situationen das Schlucken verbessern.

Hingegen werden operative Eingriffe häufig als flankierende Maßnahmen bei Schluckstörung eingesetzt, etwa um die tiefen Atemwege zu schützen oder um eine ausreichende Ernährung sicherzustellen:

• Luftröhrenschnitt („Tracheotomie“), um ein Eintreten von Nahrung und Speichel in die Atemwege zu verhindern
• PEG (Perkutane Endoskopische Gastrostomie: Punktion des Magens durch die Bauchwand hindurch) um eine ausreichende Ernährung zu ermöglichen

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